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<title>Vratislav II.</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Vratislav II.</span></h1>
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<p><b>Vratislav II.</b> (* um <a href="1035" title="1035">1035</a>; † <a href="14._Januar" title="14. Januar">14. Januar</a> <a href="1092" title="1092">1092</a>) aus dem Adelsgeschlecht der <a href="P%C5%99emysliden" title="Přemysliden">Přemysliden</a> war ab dem Jahr 1061 Fürst von Böhmen und ab 1085 als <i>Vratislav I.</i> <a href="K%C3%B6nig_von_B%C3%B6hmen" class="mw-redirect" title="König von Böhmen">König von Böhmen</a>. Zwischen 1076 und 1081 war er <a href="Markgraf" title="Markgraf">Markgraf</a> der <a href="Mark_Lausitz" class="mw-redirect" title="Mark Lausitz">Mark Lausitz</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<p>Vratislav wurde als Sohn <a href="B%C5%99etislav_I." title="Břetislav I.">Břetislavs I.</a> aus dem Adelsgeschlecht der <a href="P%C5%99emysliden" title="Přemysliden">Přemysliden</a> geboren. Seine Mutter <a href="Judith_von_Schweinfurt" title="Judith von Schweinfurt">Judith von Schweinfurt</a> stammte als Tochter des <a href="Heinrich_von_Schweinfurt" title="Heinrich von Schweinfurt">Heinrich von Schweinfurt</a> aus dem Haus der <a href="Babenberger" title="Babenberger">Babenberger</a>.
</p><p>Nach dem Tod des Vaters (1055) sollte Vratislav II. als Herzog von <a href="Olm%C3%BCtz" title="Olmütz">Olmütz</a> einen Teil <a href="M%C3%A4hren" title="Mähren">Mährens</a> regieren. Er musste jedoch wegen Auseinandersetzungen mit seinem älteren Bruder, <a href="Spytihn%C4%9Bv_II." title="Spytihněv II.">Spytihněv II.</a>, nach <a href="Ungarn" title="Ungarn">Ungarn</a> fliehen. Mit ungarischer Hilfe wurde er wieder Herzog von Olmütz.
</p><p>Nach der Versöhnung mit dem Bruder und nach dessen Tod (1061) bestieg Vratislav II. den böhmischen Fürstenstuhl in <a href="Prag" title="Prag">Prag</a>. Fast die gesamte Regierungszeit Vratislavs II. war von Zwistigkeiten mit den jüngeren Brüdern geprägt. Vratislav drängte seinen Bruder <a href="Jarom%C3%ADr-Gebehard" title="Jaromír-Gebehard">Jaromír</a> 1068 in das Amt des Bischofs von Prag und begann sofort, diese Position zu schwächen; vor allem durch die Erneuerung des <a href="Bistum_Olm%C3%BCtz" class="mw-redirect" title="Bistum Olmütz">Bistums Olmütz</a> (1063). Allerdings fand Jaromír im böhmischen Adel zahlreiche Unterstützer, die während der gesamten Regierungszeit Vratislavs eine ständige Opposition bildeten.
</p><p>Ein besonderes Augenmerk richtete Vratislav II. auf <a href="M%C3%A4hren" title="Mähren">Mähren</a>, wo er seine jüngeren Brüder <a href="Otto_I._(M%C3%A4hren)" title="Otto I. (Mähren)">Otto I.</a> und <a href="Konrad_I._(B%C3%B6hmen)" title="Konrad I. (Böhmen)">Konrad I.</a> als Herzöge einsetzte. Die Erhebung von Olmütz zum Bistum hatte auch den Zweck, Mähren zu stärken.
</p>
<p>Vratislav II. verlegte seine Residenz von der <a href="Prager_Burg" title="Prager Burg">Prager Burg</a> nach <a href="Vy%C5%A1ehrad" title="Vyšehrad">Vyšehrad</a>, wo er das berühmte <a href="K%C3%B6nigliches_Kollegiatkapitel_der_Hl._Peter_und_Paul_auf_dem_Vy%C5%A1ehrad" title="Königliches Kollegiatkapitel der Hl. Peter und Paul auf dem Vyšehrad">Kollegiatkapitel St. Peter und Paul</a> gründete (1070). Um seine Macht im Innern zu festigen, suchte er Unterstützung von außen und bediente sich dabei vor allem der Heiratspolitik. Seine erste Frau war die ungarische Prinzessin Adelheid. Deren Tod ermöglichte den Versuch, die traditionell schlechten böhmisch-polnischen Beziehungen durch eine Eheschließung mit der polnischen Prinzessin <a href="Swatawa_von_Polen" title="Swatawa von Polen">Swatawa</a> zu verbessern. Der Versuch blieb aber erfolglos. 1070 und 1071 kam es zu mehreren Zwischenfällen im Grenzgebiet der beiden Reiche. Da es sich sowohl bei Böhmen als auch bei <a href="Polen" title="Polen">Polen</a> um <a href="Vasall" title="Vasall">Vasallen</a> des deutschen Königs handelte, zitierte <a href="Heinrich_IV._(HRR)" title="Heinrich IV. (HRR)">Heinrich IV.</a> im Herbst 1071 Vratislav und <a href="Boles%C5%82aw_II._(Polen)" title="Bolesław II. (Polen)">Boleslaw II. von Polen</a> nach <a href="Mei%C3%9Fen" title="Meißen">Meißen</a>, um sie zu einem Friedensschluss zu zwingen. Dieser hatte jedoch keinen Bestand. Vermutlich unternahm Boleslaw schon bald einen Raubzug nach Böhmen, den Heinrich 1072 mit einem Kriegszug beantworten wollte, es aber wegen Auseinandersetzungen im Reich und mit dem Papst nicht konnte.
</p><p>Dennoch band sich Vratislav eng an <a href="Heinrich_IV._(HRR)" title="Heinrich IV. (HRR)">Heinrich IV.</a> Er gehörte zu den wichtigsten Unterstützern Heinrichs im <a href="Sachsenkrieg_(Heinrich_IV.)" title="Sachsenkrieg (Heinrich IV.)">Kampf gegen den sächsischen Adel</a>. So beteiligten sich die böhmischen Truppen an den Schlachten bei <a href="Schlacht_bei_Homburg_an_der_Unstrut" class="mw-redirect" title="Schlacht bei Homburg an der Unstrut">Homburg</a> (1075) und <a href="Schlacht_bei_Flarchheim" title="Schlacht bei Flarchheim">Flarchheim</a> (1080), an Kriegszügen gegen aufständischen deutschen Adel und zogen auch in <a href="Italien" title="Italien">Italien</a> ein. Böhmen brachte diese Zeit ständige bürgerkriegsähnliche Zustände. Dazu kamen Grenzkriege gegen <a href="Polen" title="Polen">Polen</a> um <a href="Schlesien" title="Schlesien">Schlesien</a>. Nach dem Sieg Heinrichs gegen die Sachsen bekam der böhmische Fürst 1076 die <a href="Mark_Lausitz" class="mw-redirect" title="Mark Lausitz">Mark Lausitz</a>. Allerdings vergab Heinrich beide Territorien kurz darauf anderweitig und überließ Vratislav als Entschädigung die noch zu Bayern gehörige <a href="Markgrafschaft_%C3%96sterreich" class="mw-redirect" title="Markgrafschaft Österreich">Markgrafschaft Österreich</a>. Vratislav versuchte vergeblich, die <a href="Reichsexekution" title="Reichsexekution">Reichsexekution</a> in diesem Gebiet zu vollziehen, obwohl er am 12. Mai 1082 bei <a href="Schlacht_bei_Mailberg" title="Schlacht bei Mailberg">Mailberg</a> gegen <a href="Leopold_II._(%C3%96sterreich)" title="Leopold II. (Österreich)">Markgraf Leopold II.</a> siegte.
</p><p>1085 musste der böhmische Fürst auch Österreich wieder abgeben, erhielt aber von Heinrich auf der Reichsversammlung in <a href="Mainz" title="Mainz">Mainz</a> die <a href="Krone_B%C3%B6hmen" class="mw-redirect" title="Krone Böhmen">Königswürde über Böhmen</a> und Polen. Allerdings war seine böhmische Königswürde noch <i>ad personam</i>, also nicht erblich und erlosch daher bei seinem Tode 1092, und die polnische Königswürde ein bloßer Anspruch, an dessen Durchsetzung nie ernsthaft zu denken war. Immerhin band der Titel Schlesien in Zukunft fester an Böhmen und stellte einen beträchtlichen Prestigegewinn dar. Am 15. Juni 1086 wurde Vratislav II. als der erste böhmische König in Prag vom <a href="Erzbischof_von_Trier" class="mw-redirect" title="Erzbischof von Trier">Trierer Erzbischof</a> <a href="Egilbert_von_Ortenburg" title="Egilbert von Ortenburg">Egilbert</a> feierlich gekrönt. Zu seiner Krönung wurde der <a href="Codex_Vy%C5%A1ehradensis" class="mw-redirect" title="Codex Vyšehradensis">Codex Vyšehradensis</a> wahrscheinlich im <a href="Kloster_Sankt_Emmeram" title="Kloster Sankt Emmeram">Kloster Sankt Emmeram</a> angefertigt.
</p><p>In den letzten Jahren seiner Regierung festigte Vratislav II. seine Autorität sowohl in Böhmen als auch in Mähren. Dabei kam es zu scharfen Konfrontationen mit <a href="Konrad_I._(B%C3%B6hmen)" title="Konrad I. (Böhmen)">Konrad von Brünn</a> und besonders mit dem ältesten Sohn Vratislavs II., <a href="B%C5%99etislav_II." title="Břetislav II.">Břetislav II.</a> Vratislavs Nachfolger mussten sich wieder mit dem Fürstentitel begnügen.
</p><p>Vratislav starb im Januar 1092 bei einem Jagdunfall durch einen Sturz vom Pferd. Er wurde auf dem <a href="Vy%C5%A1ehrader_Friedhof" title="Vyšehrader Friedhof">Vyšehrader Friedhof</a> in der <a href="Vy%C5%A1ehrad" title="Vyšehrad">Prager Hochburg</a> beerdigt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Nachkommen">Nachkommen</h2></div>
<p>Aus erster Ehe mit Adelheid von Ungarn (1040–1061), Tochter des ungarischen Königs <a href="Andreas_I._(Ungarn)" title="Andreas I. (Ungarn)">András I.</a>, stammten vier Kinder, darunter:
</p>
<ul><li><a href="B%C5%99etislav_II." title="Břetislav II.">Břetislav II.</a> † 1100, 1092 Fürst von Böhmen als Nachfolger seines Onkels Konrad I. († 1092); heiratete 1094 Liutgard von Bogen (oder Windberg); Sohn Bretislav II († 1130)</li>
<li><a href="Judith_von_B%C3%B6hmen_(%E2%80%A0_1086)" title="Judith von Böhmen († 1086)">Judith</a> † 1086, heiratete <a href="W%C5%82adys%C5%82aw_I._Herman" title="Władysław I. Herman">Władysław I. Herman</a> von Polen, Sohn von Casimir I. von Polen</li></ul>
<p>Aus zweiter Ehe 1062 mit <a href="Swatawa_von_Polen" title="Swatawa von Polen">Swatawa von Polen</a> hinterließ er vier Söhne, die nach dem Tod des Vaters sofort um die Nachfolge zu kämpfen begannen, und eine Tochter in wahrscheinlich dieser Reihenfolge:
</p>
<ul><li>Boleslav geboren um 1063</li>
<li><a href="Bo%C5%99ivoj_II." title="Bořivoj II.">Bořivoj II.</a> geboren um 1064, † 1124, Herzog Böhmen 1100–1107 und 1117–1120 (Nachfolger Svatopluk, Sohn seines Onkels Otto I. † 1087)</li>
<li><a href="Vladislav_I." title="Vladislav I.">Vladislav I.</a> † 1125, 1109–1117 und 1120–1125 Fürst von Böhmen, heiratete (1) Richenza NN, daraus Nachkommen; heiratete (2) Rixa/Richenza von Berg, Tochter des schwäbischen Grafen Heinrich von Berg; ohne Nachkommen</li>
<li><a href="Sob%C4%9Bslav_I." title="Soběslav I.">Soběslav I.</a> † 1140, 1125–1140 Herzog Böhmen, heiratete Adleyta, Tochter des Álmos von Ungarn; Nachkommen</li>
<li>Judith † 1108, heiratete <a href="Wiprecht_von_Groitzsch" title="Wiprecht von Groitzsch">Wiprecht von Groitzsch</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Hans_Patze" title="Hans Patze">Hans Patze</a>: <i>Die Pegauer Annalen, die Königserhebung Wratislaws v. Böhmen und die Anfänge der Stadt Pegau</i>. In: <a href="Jahrbuch_f%C3%BCr_die_Geschichte_Mittel-_und_Ostdeutschlands" title="Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands">Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands</a>, Bd. 12 (1963), S. 1–62.</li>
<li><a href="Percy_Ernst_Schramm" title="Percy Ernst Schramm">Percy Ernst Schramm</a>: <i>Böhmen und das Regnum: Die Verleihungen der Königswürde an die Herzöge von Böhmen (1085/86, 1158, 1198/1203)</i>. In: <a href="Josef_Fleckenstein" title="Josef Fleckenstein">Josef Fleckenstein</a> / <a href="Karl_Schmid_(Medi%C3%A4vist)" title="Karl Schmid (Mediävist)">Karl Schmid</a> (Hrsg.): Adel und Kirche. Gerd Tellenbach zum 65. Geburtstag dargebracht von Freunden und Schülern, Freiburg u. a. 1968, S. 346–364.</li>
<li>Vratislav Vaníček: <i>Vratislav II. (I.). První český král</i>. Vyšehrad 2004, ISBN 80-7021-655-7</li>
<li><a href="Berthold_Bretholz" title="Berthold Bretholz">Berthold Bretholz</a>: <i><a href="https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Wratislaw_II." class="extiw external" title="s:ADB:Wratislaw II.">Wratislaus II.</a></i> In: <i><a href="Allgemeine_Deutsche_Biographie" title="Allgemeine Deutsche Biographie">Allgemeine Deutsche Biographie</a></i> (ADB). Band 44, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 232–234.</li></ul>
<table class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1" style="border-collapse:collapse; border-style:solid; margin-top: 1em; text-align:center; width:100%;"><tbody><tr style="vertical-align:bottom;"><th style="width:35%;">Vorgänger</th><th style="width:30%;">Amt</th><th style="width:35%;">Nachfolger</th></tr><tr style="vertical-align:top;"><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><a href="Spytihn%C4%9Bv_II." title="Spytihněv II.">Spytihněv II.</a></td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><span style="font-weight:bold;"><a href="Liste_der_b%C3%B6hmischen_Herrscher" title="Liste der böhmischen Herrscher">Herzog von Böhmen</a></span> <br>1061–1092</td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><a href="Konrad_I._(B%C3%B6hmen)" title="Konrad I. (Böhmen)">Konrad I.</a></td></tr><tr style="vertical-align:top;"><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><a href="Dedo_II._(Lausitz)" title="Dedo II. (Lausitz)">Dedo II.</a></td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><span style="font-weight:bold;"><a href="Liste_der_Markgrafen_der_Lausitz" title="Liste der Markgrafen der Lausitz">Markgraf der Lausitz</a></span> <br>1076–1081</td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><a href="Heinrich_I._(Mei%C3%9Fen)" title="Heinrich I. (Meißen)">Heinrich I.</a></td></tr></tbody></table>
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Normdaten (Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/102473374">102473374</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/no2004078178">no2004078178</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/200009660/">200009660</a></span> | </div>
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